Frauen in der Chefetage – eine Welt, zwei Normen?

Aktualisiert: Feb 13


Yes she can! Ja, es war einmal eine Zeit, – über 40 Jahre zurück, da beschäftigten grosse böse Unternehmen Frauen, weil sie billige Arbeitskräfte waren, guten Kaffee kochten, in der Regel adrett gekleidet waren. Und sie verhalfen der Firma erst noch zu einem guten Image. Seien wir doch einmal ehrlich, sie sahen erst noch besser aus und wirkten lebendiger als die dunklen Gestalten auf den Teppichetagen, denen sie den Kaffee brachten.


Gaben dann diese Frauen ihre Verlobung bekannt, wurde ihnen meist ungefragt die Kündigung gegeben. Denn sie hatten ja eine andere Einnahmequelle gefunden.


Anfangs der 80er Jahre wurde von Peter Noll und Hans Rudolf Bachmann der kleine Machiavelli geschrieben – nicht zu verwechseln mit dem 500 Jahre alten Machiavelli. Der kleine Machiavelli ist eine köstlich realistische Satire der Machtspiele in Unternehmen und vieles trifft man noch heute in den Unternehmen an. Es wird die Welt des gehobenen Managements aufgezeigt und was man(n) beim Karrieremacher zu berücksichtigen hat. So finden wir Folgendes unter dem Kapitel:


“Kleine aber wichtige Tipps für die Karriere“:

“Die Voraussetzung, die man erfüllen muss, um als Manager Karriere zu machen, ist die: Man darf keine Frau sein. Als Frau kann man höchstens die Frau eines Managers werden, aber das ist ein ganz anderer Weg.“

Das Gesetz des Vorranges des Mannes galt als fast absolut.

Nun, 40 später oder 50 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts, nachdem die ersten berufstätigen Frauen die Festungen der Arbeitswelt gestürmt haben, betrachten uns die gleichen Firmen mit anderen Augen: Wir sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden, der Kampf um die besten Talente schliesst die Frauen nicht aus. 80 Prozent der Kaufentscheide werden den Frauen zugeordnet. Medien haben entdeckt, dass Frauen Gewinne erwirtschaften, häufig noch in beträchtlicher Höhe, und dass wir es ganz einfach wert sind im Arbeitsprozess gehalten zu werden.


Doch immer noch: Je weiter oben in der Hierarchie, desto seltener sind Frauen anzutreffen. Zu meiner Zeit gab es ein Seminar in Rüschlikon, das versprach Abhilfe zu schaffen mit dem erfolgsversprechenden Titel: “Kommen böse Mädchen in die Chefetage?“ Die Herren sollten sich damals warm anziehen. Denn da lernten wir: Wer lieb und nett ist, wird möglicherweise geliebt, selten gefördert und so gut wie gar nie befördert.

Spass beiseite. Ich glaube nicht, dass dies der Schlüssel zum Erfolg ist.